Presse

Am 21. Februar 2018 schrieb der Donaukurier Ingolstadt

Biedermann gegen die Brandstifter

„Wo ist nur die Vogelgrippe, wenn man sie mal braucht?“ denkt Gernot Voltz, sobald jemand aus den Reihen der AfD auch nur den Mund aufmacht. Auch vermisse er den fehlenden kollektiven Aufschrei angesichts des Abgasskandals der Automobilindustrie. „Aber wehe, Sie lassen mal versehentlich die Saunatür offen. Da können sie was erleben!“, sagt er. Mit der kürzlich in die Welt hinausposaunten Schnapsidee, Donald Trump für den Friedensnobelpreis zu nominieren, sei für ihn nun endgültig der Gipfel des allumfassenden Irrsinns erreicht, umd es gebe im Grunde nur eine Möglichkeit, den Wahnsinn zu überstehen. Es gehe nur mit Gelassenheit, sagt er, weswegen sein brandneues Programm auch den Titel „Die Kunst bei sich zu bleiben, ohne aus der Haut zu fahren“ trägt.

Mit ihm ist er zu Gast in der Neuen Welt bei den Kabaretttagen, mit ihm legt er einen überaus amüsanten, pointenreichen und klug durchdachten Spagat zwischen verbaler Comedy und satirischem Politkabarett hin, mit ihm punktet er inhaltlich wie sprachlich. Seine „Grabrede für die Wiederauferstehung des Anstands“, seine „Auszüge aus dem Tagebuch des Alexander Gauland“ und sein wortgewaltiger Aufmarsch von Irren jeglicher Schattierung ganz zum Schluss sind Meisterleistungen.

Nein, politisch oder gesellschaftlich korrekt ist das bei Weitem nicht immer, aber lustig durchaus. Und besonders amüsant ist der Augenblick, wenn eine seiner Szenen, Geschichten und Anekdoten vollends umkippt, zur absurden Groteske wird. Dabei macht Gernot Voltz optisch so gar nicht den Eindruck des subversiven Elements. Im Grunde entspricht sein Erscheinungsbild immer noch dem seiner langjährigen Kunstfigur, der des „Herrn Heuser vom Finanzamt“. In Abwandlung der Novelle Conrad Ferdinand Meyers übernimmt er die Rolle des „Biedermanns gegen die Brandstifter“, mit denen wir es in Form des braunen Pöbels in unser aller unmittelbarer Umgebung wie auch des zunehmenden Despotismus auf der Weltbühne zu tun haben. Ja, in dieser Hinsicht ist er – trotz all der lustigen und satirisch überhöhten Geschichten – unerbittlich. Und das ist gut so. Ein überaus gelungener Abend.

von Karl Leitner